11 Freunde – Magazin für Fußballkultur

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Wer leidenschaftlicher Fußball-Fan ist, kommt an „11Freunde“ kaum vorbei. Denn das „Magazin für Fußballkultur“, welches erstmals im Jahr 2000 an den Zeitungskiosken erhältlich war, hat sich auf dem Markt mittlerweile fest etabliert. Seit 2005 erscheint es im gleichnamigen 11Freunde Verlag, der Hamburger Verlag Gruner+Jahr übernahm 2010 die Mehrheitsanteile des Magazins. Neben der erfolgreichen Printausgabe, die einmal monatlich erscheint und mit über 130 Seiten relativ umfangreich ist, hat die Onlinepräsenz 11Freunde.de im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickelt, weshalb die Homepage nicht mehr nur als Ergänzung zum Heft angesehen werden kann.

Das Besondere an „11Freunde“ ist der individuelle Stil des Magazins, sowohl was Inhalt als auch Sprachgestaltung anbelangt und in der Tradition englischer Magazine wie „When Saturday comes“ steht. Die Berichterstattung ist dabei nicht auf Deutschland beschränkt, internationale Ereignisse werden keinesfalls stiefmütterlich behandelt. Im Gegensatz zu den meisten sportjournalistischen Angeboten, liegt der Fokus hierbei jedoch nicht auf Spielberichten, Transfermutmaßungen oder trockenen Statistiken, vielmehr konzentriert sich „11Freunde“ auf „hintergründige, aber frische Reportagen“ und erzählt oftmals Geschichten, die ihren Ursprung abseits des Platzes finden. So stehen beispielsweise häufig Fans im Zentrum der Betrachtung. Es ist insbesondere die humorvolle, manchmal sogar satirisch-zynische Herangehensweise der Autoren, welche die Leser zu schätzen wissen. Insgesamt zeichnet die Seite eine Kombination aus „aktuellen Nachrichten, meinungsstarken Stücken, humorvollen Bilderstrecken und authentischen Interviews“ aus.

Auch wenn die Autoren allesamt die unterschiedlichsten Biographien aufweisen und ihre Herzen an verschiedene Klubs verschenkt haben – von Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf über den HSV und Schalke bis hin zum FC Bayern ist alles mit dabei – so haben sie doch eines gemeinsam: die Liebe zum Fußball. Und dieser geballten Leidenschaft der 14-köpfigen Redaktion wird „11Freunde“ allemal gerecht. Ihr selbstauferlegter Anspruch: immer „aktuell, kritisch und witzig zu bleiben“. Die meisten Redakteure hatten bereits journalistische Erfahrung mit im Gepäck, als sie sich auf den Weg nach Berlin machten, um Teil des „11Freunde“-Gespanns zu werden. So schrieben einige von ihnen vorher unter anderem für die Frankfurter Rundschau, den Playboy, die Süddeutsche Zeitung oder den Spiegel. Bei den Autoren des Magazines handelt es sich also keinesfalls um Amateur-Journalisten, sondern um etablierte Schreiber. Was die Leserschaft anbelangt, so wird das Heft in erster Linie von überdurchschnittlich gebildeten Männern im Alter von 20 bis 35 Jahren konsumiert, was insofern nicht verwunderlich ist als dass pointierte, glossenartige Inhalte, die über den Mainstream-Journalismus hinaus gehen in der Regel größeren Anklang bei höher Gebildeten finden.

Neben den gut recherchierten Artikeln, erfreuen sich vor allem die „11Freunde“-Bildergalerien großer Begeisterung. Um dem Motto „alternativ und humorvoll“ treu zu bleiben, finden sich auch hier Fotosammlungen, die man in anderen publizistischen Angeboten misst: Galerien zu seltsamen Fußball-TattoosManchester United’s Trikot-Sünden oder den besten Panini-Bildern aller Zeiten, um nur einige wenige zu nennen. Mit Aufbegehren von Social Media und der Macht des Sharing-Buttons, gehen nicht nur Bilder viral, sondern auch die „11Freunde“-Quicklists. Wobei es sich hierbei handelt, erklärt sich eigentlich von selbst, wenn man einen Blick auf eine der Listen wirft.

 

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Wie besonders das erste Beispiel veranschaulicht, werden besagte Quicklists oftmals zur Verbreitung von Politsatire genutzt. Bei diesem Format, welches mittlerweile zum Markenzeichen des Magazins avanciert ist, treffen Ironie und Fußball gekonnt aufeinander, man mag sogar von einem symbiotischen Verhältnis sprechen. Ähnlich gehen bei „11Freunde“ Information und Unterhaltung Hand in Hand. Die Leser werden stets über aktuelle Entwicklungen in der Welt des Fußballs auf dem Laufenden gehalten, haben aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, sich mit anspruchsvoll unterhaltenden Inhalten auseinanderzusetzen, die bei Konkurrenzangeboten manchmal vielleicht zu kurz kommen.

Was wäre ein Online-Fußball-Magazin ohne Liveticker, abgesehen von einem Online-Fußball-Magazin ohne Liveticker? Auch hier wird auf 11Freunde.de Abhilfe geschaffen, allerdings nicht so, wie man sich das vielleicht erwarten würde, denn auch die Live-Berichterstattung fällt etwas anders aus als man das gewohnt ist. So zieren den Liveticker zur Weltfußballerwahl 2015 zum Beispiel ein Bild von Hunden, die Geschlechtsverkehr haben, ein gruseliger Clown alias Sepp Blatter sowie ein Video mit dem Titel „Laughing Owl“, das die Wahl von Thiago Silva und David Luiz in die Weltelf in den richtigen Kontext setzen soll. Ebenfalls interessante Liveticker-Titel, die sich die Redaktion ausgedacht hat: „Unreal Madrid“„Giroud in Frieden“ oder „Oldie but Poldi“. Die Kreativität des Liveticker-Teams wurde 2013 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Kultur und Unterhaltung belohnt.

“11Freunde” leistet aber noch einen viel wichtigeren Beitrag: Gerade in Deutschland ist man nach wie vor immer noch sehr darauf bedacht, nicht allzu stark Kritik an anderen Nationen zu üben und mit dem eigenen Nationalstolz hauszuhalten. Man ist es gewohnt, eine diplomatische Haltung einzunehmen und Probleme so friedlich wie möglich zu lösen, wie beispielsweise auch die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine-Krise beweisen. Sport – insbesondere der Fußball – scheint nach wie vor die einzige Projektionsfläche für deutschen Patriotismus darzustellen, der auf keine Kritik stößt. Humor und Satire können sowohl bei der Vergangenheitsbewältigung als auch bei der Verarbeitung von gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Problemlagen helfen. Die Auseinandersetzung mit unkonventionellen Themen, welche in Mainstream-Medien kaum Beachtung finden, begünstigt eine Entwicklung dahingehend, als Leser auch einmal einen Blick über den Tellerrand hinaus zu werfen. Insofern fördert das Magazin auch eine intellektuelle Weiterentwicklung der Leserschaft, was von Vorteil ist, da die meisten Fußball-Fans in der Regel eine vorgefertigte Meinung mitbringen und oftmals nicht offen für Kritik sind, vor allem wenn die eigene Mannschaft betroffen ist. Alternative Nachrichtenangebote wie “11Freunde” können hier Abhilfe leisten.

Während es Leute geben mag, die mit dieser Art von Sportjournalismus nicht sonderlich viel anfangen können, so bin ich der Meinung, dass „11Freunde“ einen wertvollen Beitrag leistet, da das Magazin frischen Wind in die sonst dominierende faktenlastige Fußballberichterstattung bringt. Die Autoren ermöglichen es, diesen Sport, den wir alle lieben, zur Abwechslung einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und regt auf sehr unterhaltsame Weise dazu an, gewisse Dinge auch einmal etwas kritischer zu betrachten bzw. zu hinterfragen. Nicht umsonst bezeichnet der Spiegel „11Freunde“ als „Deutschlands bestes Fan-Magazin“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung erklärt die Zeitschrift für „hierzulande einzigartig“. Einzigartig, das trifft es wahrlich auf den Punkt. Einzigartig, wie jeder Spieler und jede Mannschaft. Einzigartig, wie jeder Fan. Einzigartig, wie das weltweite Phänomen Fußball.

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